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Alte Synagoge in Baden-Baden, Architekt: Ludwig Levy, 1899 erbaut, 1938 zerstört

 

Pessach

das erste der drei Wallfahrtsfeste (neben Schawuot und Sukkot) fällt in den jüdischen Frühlingsmonat Nissan. Es ist die Zeit der ersten Gerstenernte in Israel. Die Bedeutung dieses grossen Festes liegt in der Erinnerung an den Auszug der Israeliten aus Ägypten, mit dem sie als Volk in die Geschichte eintreten.

In der Bibel (erstes und zweites Buch Moses) wird berichtet, wie die Israeliten während einer grossen Hungersnot nach Ägypten auswanderten. Zunächst ging es ihnen relativ gut. Doch dann wurden sie auf Anweisung des ägyptischen Königs Pharao zunehmend unterdrückt und mussten schwere Zwangsarbeit leisten. Da wurde Moses - im Auftrag Gottes - ihr Anführer. Unter Gottes Schutz wagte er mit seinen Glaubensbrüdern eine dramatische Flucht aus Ägypten durch das Rote Meer (Spaltung des Schilfmeeres) nach Kanaan ins heutige Israel. Die Wanderung durch die Wüste dauerte 40 Jahre.

Der Name "Pessach" bedeutet "hinwegschreiten", "verschonen". Er erinnert daran, dass Gott die Israeliten verschonte, als er in der letzten der zehn Plagen die erstgeborenen Kinder der Ägypter töten liess, damit sie die Israeliten fortziehen liessen.

Während des achttägigen Pessachfestes wird nur ungesäuertes Brot (Mazza) gegessen in Gedenken daran, dass der plötzliche Aufbruch aus Ägypten es nicht gestattete, den Brotteig vor dem Backen säuern und aufgehen zu lassen. Diese Mazza sind dünne knusprige Fladenbrote. Zu Pessach darf sich in der Küche und in der ganzen Wohnung kein Brot befinden, alle Krümel werden weggeräumt und jeder Winkel sauber geputzt, ähnlich dem Frühlingsputz. Im Mittelpunkt des ersten Festtages steht nach dem Abendgottesdienst das grosse Festmahl in der Familie. Es heisst "Seder" nach dem hebräischen Wort für Ordnung. Bestimmte Speisen, die alle eine symbolische Bedeutung haben, werden - nach der Erzählung des Auszuges aus Ägypten und nachdem die der einzelnen Speisen entsprechenden Stellen aus der Pessach-Haggada (= Pessach-Erzählung) vorgelesen und erklärt wurden - gemeinsam gegessen. Dazu werden in bestimmten Abständen vier Becher Wein getrunken. Sie symbolisieren die vier Versprechungen Gottes: Er will die Kinder Israels 1. aus Ägypten herausführen, 2. sie erretten, 3. sie erlösen und 4. sie als sein eigenes Volk annehmen.

Der Gedanke an die Befreiung und der Lobpreis Gottes stehen im Mittelpunkt des Sedermahls. Im zweiten Teil des langen Abends werden vor allem gemeinsam Lieder gesungen. Am letzten Tag des Festes findet in der Synagoge eine Seelenfeier zum Gedenken an die Verstorbenen statt. Die anschliessende Zeit, die sieben Wochen bis Schawuot, haben sich im Laufe der Zeit zu einer Trauerzeit gewandelt.