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Alte Synagoge in Baden-Baden, Architekt: Ludwig Levy, 1899 erbaut, 1938 zerstört

 

Sukkot

ist das siebentägige Laubhüttenfest. "Sukka" heisst Laubhütte. Seiner ursprünglichen Bedeutung nach ist es ein Erntefest, so, dass in der Synagoge auch für alle Früchte gedankt und um Regen für das trockene Israel gebetet wird. Wie bei den anderen zwei Wallfahrtsfesten Pessach und Schawuot ist neben dem naturgegebenen Anlass allmählich eine religiös- historische Bedeutung in den Vordergrund gerückt: Die Juden erinnern sich an die vierzigjährige Wanderung von Ägypten durch die Wüste in das "Gelobte Land" Israel. In dieser Zeit lebten sie in Hütten, die sie immer wieder neu aus trockenen Palmzweigen bauten. Zum Gedächtnis daran sollen sie jedes Jahr während sieben Tagen in selbsgebauten Laubhütten wohnen.

Die heutige Sukka wird aus Brettern, Ästen, Laub und Tüchern errichtet und mit Blumen und Früchten geschmückt. Das Dach wird aus Ästen und Laub gemacht und soll so dicht sein, dass es bei Sonne Schatten bietet und so locker, dass man bei Nacht die Sterne sehen kann. Die Hütte steht im Garten oder auf dem Balkon. In manchen Wohnsiedlungen werden Gemeinschaftshütten aufgestellt, in denen mehrere Familien abwechselnd essen und Gäste empfangen können. In vielen Synagogen wird im Synagogenhof eine Laubhütte errichtet, die von den Gemeindemitgliedern frei benutzt werden kann.

Ausser der Hütte ist ein besonderer Feststrauss für das Sukkotfest wichtig: Er wird aus Dattelpalmen-, Myrten- und Bachweidenzweigen zusammengebunden. In die eine Hand nimmt man diesen Strauss, in die andere nimmt man einen Paradiesapfel - eine Zitrusfrucht - , die besonders duftet. Der Strauss wird an allen sieben Tagen in der Synagoge während des Morgengottesdienstes nach einem festen Brauch "geschüttelt", das heisst in die vier Himmelsrichtungen und nach oben und unten bewegt. Er ist ein Zeichen der Verträglichkeit der verschiedenen Pflanzen und so auch der Menschen. Eine neuere Interpretation besagt, dass die Juden, die wie Bachweiden über die ganze Welt verstreut leben, immer verbunden sind mit ihrer Heimat Israel, in der die Palme, die Myrte und der Paradiesapfel wachsen.